Erlebbares Radolfzell

Barrierefreier Online-Stadtführer für Menschen mit und ohne Behinderung

 Erlebbares Radolfzell, zur Startseite

Navigation überspringen:

 

Mitteilung

: zurück zur Übersicht


Jugendhotel: Breite Allianz für Behinderte

Gesellschaft für Familien- und Jugendhotel gegründet

Ein Artikel aus dem „Wochenblatt“ vom 14. Juni 2006, von Andrea Jagode

Radolfzell (aj). Eine bislang ungewöhnliche Allianz zum Wohle von Behinderten sind die Wohlfahrtsverbände Diakonie, Caritas und AWO mit der Stadt Radolfzell, dem Innovations- und Technologiezentrum RIZ und die Bodensee-Stiftung als Tochter der Deutschen Umwelthilfe eingegangen. Sie gründeten am Montag nach rund einjähriger Vorlaufzeit die gemeinnützige GmbH „Jugend- und Familienhotel Radolfzell“. Hauptgesellschafter sind die Caritas, der Evangelische Kirchenbezirk Konstanz und die Stadt Radolfzell.

Ziel der neuen Gesellschaft, deren Geschäftsführer Gunter Hamburger vom Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Konstanz ist, ist die Planung, der Bau und der Betrieb eines Hotels, das Familien und Jugendlichen einen preisgünstigen Urlaub am Bodensee ermöglichen soll. Das besondere an diesem Hotel: Mindestens 50 Prozent der Mitarbeiter werden (geistig) behinderte Menschen sein.

Die Idee für dieses Hotel ist ein Resultat aus der ersten „Open Space Konferenz“ im RIZ im vergangenen Jahr. Diese Konferenz wird am 26. Juni unter dem Titel „Gemeinsam gewinnen - Soziale Partnerschaften“ fortgesetzt. Damals war die Idee entstanden, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für behinderte Menschen im ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Aber wie?

Da kam die Stadt mit ihrer Analyse im Frühjahr 2005 zur Übernachtungssituation in Radolfzell gerade recht. Die Untersuchung ergab: es gibt hier einen Bedarf an günstigen Übernachtungsplätzen für Familien, junge Menschen, Gruppenreisenden und Tagungsgästen. OB Jörg Schmidt und Gunter Hamburger kombinierten beide Ansätze, das Ergebnis ist bekannt: im Herzenareal soll in Nachbarschaft zum Herzenbad ein Hotel- und Gastronomiebetrieb mit 100 Betten nach dem Vorbild des Hofgut Himmelreich (Kirchzarten) entstehen.

Mit rund 3,5 bis 4 Millionen Euro Investitionskosten und einer Realisierungszeit von 2 bis 3 Jahren rechnet Hamburger. Das Wirtschaftsministerium in Stuttgart hat einen Zuschuss über 250.000 Euro in Aussicht gestellt. Weitere Gelder sollen über viele große und kleine Spenden und über Zuschüsse der Aktion Mensch und des Kommunalverbands für Jugend und Soziales herein kommen. Dafür ist aber erst einmal ein anerkanntes Gutachten zur Finanzierung und Wirtschaftlichkeit notwendig.

Auch sollen sogenannte „Genuss- Scheine“ ausgestellt werden, macht RIZ-Vater Bernhard Bihler, der den Part Finanzen übernommen hat, klar. Sponsoren können damit das Integrationsprojekt durch „Darlehen auf Zeit“ unterstützen. Wenn alles gut läuft, bekommt man die Einlage verzinst zurück. Das Hotel soll nach einer Anlaufphase sich selber tragen. Bihler findet das Projekt „extrem spannend“, Dietrich Eckkardt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks im Kirchenbezirk Konstanz, betont „diese Kombination hat Seltenheitswert“, Günter Tomberg, Geschäftsführer des Caritasverbands Konstanz, erklärte am Montag „die Gründung der GmbH kommt zum richtigen Zeitpunkt“.

Gunter Hamburger zeigte sich „stolz darauf“, dass so eine Kooperation von Wirtschaft, Sozialem und Ökologie gelungen ist. Ohne die Kompetenzen aus den anderen Bereichen sei das Projekt nicht machbar. Jörg Dürr-Pucher, Präsident der Bodenseestiftung, sieht im geplanten Jugendhotel die Ziele von Rio und der Gedanke der Agenda 2000 verwirklicht. Das Hotel soll nach Öko-Standards gebaut und betrieben werden. Unterstützung erfährt das Projekt auch von Landrat Frank Hämmerle – wenn auch nicht mit finanziellen Mitteln. Im Herbst wird noch eine weitere Gesellschaft namens „Radius“ gegründet. Sie soll zum Sammelbecken für verschiedene soziale Projekte in Radolfzell werden. Nach dem Willen des Gemeinderats ist die Stadt da nicht beteiligt.


 ein Foto der Seestraße

Quelle: Wochenblatt

Sprung zurück und nach oben