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Lebenserfahrung durch Rollentausch

Projekt am Friedrich-Hecker-Gymnasium zu Behindertenarbeit
von Angelika Schneider

„Nicht behindert zu sein ist kein persönliches Verdienst, sondern ein Geschenk!“ Mit diesem Leitgedanken bringt Richard von Weizsäcker das Engagement für die Behindertenarbeit vieler Menschen auf den Punkt und fordert zu entsprechendem Handeln heraus. Dass es dazu überall kleine Bausteine und Ansatzpunkte gibt, demonstrierte das Friedrich-Hecker-Gymnasium im Sportunterricht.

Mit Unterstützung von Schulleiter Merklinger und der Sportlehrerin Anne Renker initiierte die Studienreferendarin Angelika Schneider ein Sportprojekt, in dessen Rahmen den Schülern der Klasse 11a ein Einblick in den Behindertensport, speziell in den Rollstuhlsport ermöglicht wurde (der SÜDKURIER berichtete bereits darüber). Im Umgang mit diesem Gerät lernten die Beteiligten Schüler die Welt der Rollstuhlsportler kennen. Beim abschließenden Feedback schlugen sie vor, diesen Einblick mit einer Rollstuhlfahrt durch Radolfzell zu vertiefen.

Diese Anregung wurde jetzt an einem Spätnachmittag in Radolfzell in die Tat umgesetzt. Das Beschaffungsproblem für die Rollstühle wurde in Kooperation mit der Regenbogenschule, einer Konstanzer Behinderteneinrichtung, gelöst. Ihr Leiter war von der Idee so begeistert, dass er drei Rollstühle zur Verfügung stellte. Sie wurden auf dem Radolfzeller Bahnhofsgelände zusammengebaut. Nach diversen Sicherheitshinweisen wurde die Stadtroute besprochen.

Dann machten sich die Schülerinnen Sandra Eisele, Julia Mosandel, Sara Engele, Sabine Dietrich und Melanie Ruf in Begleitung von Anne Renker und Angelika Schneider auf den Weg. Die Route führte vom Bahnhof über die Seetorstraße in Richtung Kirchplatz und dann zum Kaufland, wo erste Erfahrungen mit der Behindertentauglichkeit von Geschäften gesammelt wurden. Die behindertengerechte Rolltreppe wurde getestet, als anstrengend, im Übrigen aber als gut machbar eingestuft. Kritisch wurde das Verhalten einiger Passanten zur Kenntnis genommen, die zwar sahen, dass die meisten Artikel für die Rollstuhlfahrerinnen nicht erreichbar sind, sich aber nicht aufraffen konnten, den jungen Frauen von sich aus behilflich zu sein.

Weiter ging es in Richtung Höllturmpassage, wo die Vorzüge eines sonst als selbstverständlich hingenommenen Aufzuges erstmals bewusst zur Kenntnis genommen und richtig eingestuft wurden. In Richtung Stadtpark mussten die Schülerinnen länger überlegen, über welchen Weg dieser am besten erreichbar wäre. Ziel war der See und die Musikbühne. Dazu war es erforderlich, die Unterführung am Bahnhof mit viel Muskelkraft zu bewältigen. Hier und am See machten sie wohltuende Erfahrungen mit hilfsbereiten Menschen, die gerne von sich aus beim Überqueren von Wegen und Rasenstellen behilflich waren.

Nach zwei anstrengenden und erlebnisreichen Stunden war man der Meinung, dass ein Rollstuhlleben doch entschieden beschwerlicher ist als zunächst angenommen. Die Schülerinnen erkannten, wie wichtig die vor Wochen beim Rollstuhlbasketballspiel in der Halle erlernten Bewegungen für ein Alltagsleben im Rollstuhl sind.

Ein Urteil über die Behindertengerechtigkeit in Radolfzell können die Beteiligten nach dieser zweistündigen Rundfahrt allerdings nicht abgeben. Dazu müssten jene befragt werden, die lebenslang, alltäglich an einen Rollstuhl gebunden sind. Mit dem Rollstuhlsportprojekt hat das Friedrich-Hecker-Gymnasium unter der Anleitung von Angelika Schneider – qualifiziert als Übungsleiterin für Rollstuhlsport – nicht nur die beteiligten Jungendlichen, sondern auch das gesamte Umfeld zum Nachdenken darüber angeregt, dass es nicht allen Menschen vergönnt ist, ein Leben auf der Sonnenseite unserer Gesellschaft zu führen, und dass diese Menschen der Hilfe bedürfen.

Weitere Informationen:

Friedrich-Hecker-Gymnasium Radolfzell
Markelfinger Straße 15
78315 Radolfzell

Telefon: 0 77 32 / 94 78-0
Telefax: 0 77 32 / 94 78-99

Internet: : www.gymrzell.kn.bw.schule.de/
E-Mail: : F.Hecker@web.de


 ein Foto der Seestraße

Südkurier online

Den Originalartikel vom 29.07.2004 finden Sie auf den Seiten von
: www.suedkurier.de


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